Von der Kunst, ordentlich Reibach zu machen

Ein Radio-PR-Beitrag kostet Geld. Doch, doch, da muss man gar nicht lange drumherum reden. Schließlich sind ja auch einige Schritte nötig, bevor der sendefertige Beitrag den Radiostationen angeboten werden kann. Da ist das Briefing durch den Auftraggeber, die Abstimmung der Interviewfragen, die Erstellung des Beitragsskripts, Produktion im Studio, die Distribution des Materials und das Zusammentragen der Ergebnisse. Alles Punkte, die Arbeitszeit kosten und Radio-Know-how erfordern. Dass man als Radioagentur dafür Geld verlangt, leuchtet sicher jedem ein.

Aber einmal ehrlich – man kann es auch übertreiben. Sie wissen gerade nicht wovon ich rede? Sie sind neugierig geworden und wollen ein paar Beispiele – bitte schön: der Klassiker ist natürlich die Aufspaltung des Produktionsablaufs in Einzelschritten. Redaktionelle Beratung bei der Umsetzung des Themas, das kann man auch separat in Rechnung stellen. Abschrift der geführten Interviews, Erstellung eines Beitragsmanuskripts oder die Weitergabe des Audiomaterials als MP3 Datei bzw. auf CD … ja auch dafür kann man zusätzliche Posten in der Rechnung schaffen. Einmal abgesehen davon, dass es wirklich keinen Sender mehr gibt, der ausdrücklich einen Beitrag auf CD verlangt, treiben mir solche „Geschäftsgebaren“ die Zornesröte ins Gesicht. Man stelle sich vor, eine Agentur engagiert einen Texter und der würde unter anderem zusätzliche Kosten dafür berechnen, dass er seine Texte auf einem Computer verfasst und – natürlich nur auf ausdrücklichen Wunsch – farbig ausdruckt. Klingt in ihren Ohren absurd? Ich finde es mindestens so absurd, wenn Anbieter darauf verweisen, dass sie ihre Interviews mit einem Digitalrekorder aufnehmen oder dass der Radio Maternbeitrag von einem professionellen Sprecher eingesprochen wird. Ja, bitte schön von wem denn sonst? Etwa vom Pizzaboten, der zufällig im Studio war? Sorry, nichts gegen professionelle Sprecher, die auch als Pizzaboten arbeiten …aber Sie verstehen, was ich meine. Aber gut, ich hatte Ihnen ja noch mehr Beispiele versprochen. Gut gefallen mir auch immer Angebote, in denen Selbstverständlichkeiten wie eine begehrenswerte Zusatzleistung angepriesen werden. Natürlich als begehrenswerte Zusatzleistung, die auch mehr kostet. Die beiden Klassiker in diesem Bereich des Abkassierens: die Straßenumfrage und die Einspielung von Musik.

Ein Radio PR Beitrag muss inhaltlich interessant und aufmerksamkeitsstark sein. Die professionelle Produktion in den von den Sendern gewünschten Formaten ist ja wohl eine Selbstverständlichkeit. Das Ziel jedes Radiodienstes ist es, das Thema des Kunden ins Radio zu bekommen. Wenn ich dafür eine Straßenumfrage machen muss, dann gehört das eben dazu. Wenn ein Beitrag attraktiver wird, weil ich ein passendes Musikzitat finde, dann gehört das eben dazu. Wenn ein Radiosender grundsätzlich Interesse an dem Thema hat, aber eine bestimmte Beitragslänge wünscht, dann gehört es eben dazu, dass man als Dienstleister diesen Wünschen entspricht.

Gute Radio-PR kostet gutes Geld

Alles andere ist Abzocke des Auftraggebers. Wie gesagt, ein Radio PR Beitrag kostet Geld. Aber man sollte nicht nur den Endpreis, sondern auch die Gesamtleistungen ansehen. Gut möglich, dass man sonst am Ende eine böse Überraschung erlebt. Die Kunst, ordentlich Reibach zu machen, ist leider weit verbreitet.

Radio-PR.net
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